Songlines - hinterlasse (k)eine Spur

Ein Sinnes - Wandel - Wege- Projekt im Wald

 

In Kooperation mit Andere Welt e.V. (http://www.anderewelt.org)

 

Idee und Konzept

Wie nehme ich Wald, wie nehme ich Natur wahr? Welchen Gebrauch mache ich von meinen Sinnen, von meinem Körper? Was hat die Art und Weise, wie ich wahrnehme und mich bewege zu tun mit der Gefahr, durch andere (z.B. Werbeindustrie, Konzerne, ...) unbemerkt manipuliert, gesteuert und missbraucht zu werden?  Was bedeutet es HEUTE, im Lichte neoliberaler Machttechniken, Zeit in einem Wald zu verbringen?

Auf einem Rundweg im Wald der Anderen Welt e.V., ein Projekt von Menschen, die sich u.a. zum Ziel gesetzt haben, den grundstückseigenen Wald in einen Urwald übergehen zu lassen, kann diesen Fragen an ausgewählten Punkten mithilfe eines Manuals/Readers nachgegangen werden. 

Um so wenig Ressourcen wie möglich zu verbrauchen und auch keinerlei Eingriffe in den Wald zu machen, wurde auf Markierungen, Hinweisschilder oder Tafeln, wie es beispielsweise bei Waldlehrpfaden üblich ist, vollkommen verzichtet.

Der Wald steht für sich selbst und soll unmittelbar wahrnehmbar bleiben. 

Es gibt ein Manual mit Plan und Texten, die Anleitungscharakter besitzen und zur Reflektion einladen, wechselweise zu lesen und die eigene Wahrnehmung dadurch neu auszurichten, um in einen spielerischen, familiären, sinnlichen Umgang mit der umgebenden Natur zu kommen. 

Auszüge aus dem Manual

 

Der Begriff songline fungiert im Rahmen der Sinnes-Wandel-Wege als Metapher. Dies in der Überzeugung, dass es nicht möglich ist, einzelne Elemente (Begriffe, Vorstellungen, Artefakte) aus einer Kultur in eine andere "einzubauen". Auch in der Überzeugung,  dass dieser Versuch einen Raub darstellen würde, eine menschenverachtenden und respektlosen Akt.

 

Zum Begriff songline

Der Begriff songline ist eine Übersetzung. Er bezeichnet in der Kultur der australischen UreinwohnerInnen ein System/Netzwerk aus mythischen Wegen, welches sich über den ganzen australischen Kontinent erstreckt. Zugleich dienen die songs den UreinwohnerInnen auch zur Berechnung von Entfernungen, ihre Rhythmen basieren vermutlich originär auf Rhythmen des Körpers (Herzschlag, Atem).

 

Körperbild

Der eigene Körper ist in Jägerinnen- und Sammlerinnenkulturen vielfältige wie unhintergehbare Grundlage des Wahrnehmens, Erlebens und Erfahrens und gibt der eigenen Existenz eine Basis, die uns Heutigen mehr als fremd ist: ein unmittelbares Erleben von Natur. Gerade für dieses unmittelbare Erleben als sinnliche Grundlage des In-Beziehung-Seins mit der Natur sollen die songlines als Ausgangspunkt dienen. 

 

Bezug zum Heute

Vorliegender Text ist eine "Gebrauchsanweisung": den "Gebrauch" (in Anlehnung an den Philosophen Michel Foucault und seine Gedanken über den "Gebrauch der Lüste"), den ich selber von meinem eigenen Körper mache, zu reflektieren.

Diese Art der Selbstreflektion hat eine wichtige Funktion: sich gegen Manipulationen jedweder Art schützen zu lernen. Dies scheint nötiger denn je, denn, so schreibt der Philospoh Byung-Chul Han, die neoliberale Machttechnik ist eine, die nicht mehr auf offensichtlicher Repression, Meinungsunterdrückung und einer Disziplinierung des Körpers ("Biopolitik") beruht, sondern eine, die tief in unser Gefühlsleben eingreift und droht, uns auf subliminaler Ebene (also unterhalb der Grenze der bewussten Wahrnehmung) zu steuern - eine Psychopolitik, die völlig unsichtbar agiert.

Vor diesem Hintergrund stellt ein Wald einen Gegenbereich dar, in dem jegliche Manipulation aufgehoben ist.

 

Texte aus dem Manual

 

sich auf den Boden legen und in den Himmel schauen

 

"die ganze westliche Erziehung zielt darauf ab,

den Boden als Raumebene im Allgemeinen zu

entwerten

("lass deine Schuhe an", "mach dich nicht schmutzig", "fass nichts an, was auf dem Boden liegt", "heb das nicht auf", "setz dich nicht auf den Boden", "steh sofort auf" usw.)

und die netten Fleckchen Erde unter

freiem Himmel im Besonderen ...

als selbstverständlichen Aufenthaltsort

zum arbeiten

essen

reden

ruhen

lieben -

 

alles strebt vom Boden weg, darf nicht in Berührung kommen

 

ein einfaches Stückchen Erde - jedes Stückchen Erde -

ist ein tabuisierter Ort

 

primitiv

schmutzig

widerwärtig

unbequem

hart

dreckig

ein Slum-Gefühl für den westlichen weißen Europäer,

der so gerne

thront -

 

es gibt gar keinen Grund die Erde zu meiden, nicht auf dem Boden

zu leben, zu schlafen, zu sein

 

kein Ort der Welt ist sicherer als der Boden direkt unter mir

kein Ort der Welt ist fremder als der Boden direkt unter mir

 

 

 

 

Idee und Konzept: Sabine Rippe

Alle Texte: Sabine Rippe

Copyright: Sabine Rippe, Juni 2016

 

 

Das Manual kann für 5€ bestellt werden (Kosten inclusive Versandkosten), telefonisch: 0173.6088014

 

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